Obligatorische Versicherungen (Pflichtversicherungen)

Altersversorgung

Erste Säule: Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV)
Beitragspflicht
Beitragsrückerstattung
Einfache Altersrente - Ehepaar-Altersrente
Witwenrenten
Kinderrente - einfache Waisenrente - Vollwaisenrente
Wiederaufnahme Ihrer Arbeit in Deutschland nach Ihrer Tätigkeit.
Invalidenrente IV
Rentenantragsstellung

Zweite Säule: Personalvorsorge
Versicherter Lohn
Versicherungsleistungen
Freizügigkeitsleistung
Höhe der Freizügigkeitsleistung
Freizügigkeitsleistung, Barauszahlung, Verbleib und Finanzierung der Personalvorsorge

Dritte Säule: Private Altersversorgung

Altersversorgung

Nach einer geläufigen Formel ruht auch die Vorsorge in der Schweiz für Alter, Todesfall und Invalidität auf drei Säulen. Die erste Säule stellt die AHV/IV dar, die zweite Säule ist als Pensionskasse über den Arbeitgeber ebenfalls gesetzlich geregelt, die dritte Säule beruht auf der individuellen privaten Vorsorge eines jeden Einzelnen.

das 3-Säulenmodell

In allen Bereichen der sozialen Sicherheit gelten die Grundsätze (für die Schweiz und die EU), dass ein Mitgliedsstaat bei der Festsetzung des Leistungsanspruchs die in einem anderen Mitgliedsstaat zurückgelegten Versicherungszeiten berücksichtigen muss und der Leistungsanspruch aufrecht erhalten bleibt, wenn sich ein Versicherter in einen anderen Mitgliedsstaat begibt.

Die einzelnen Versicherungsbereiche gliedern sich wie folgt:


Erste Säule: Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV)

Gemäß dem Abkommen über die soziale Sicherheit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Schweiz und dem Abkommen zur Personenfreizügigkeit (Bilaterale Verträge CH-EU), sind Sie als deutscher Grenzgänger in allen Bereichen der Sozialversicherung mit Ausnahme der Krankenversicherung (siehe oben) den Schweizer Bürgern gleichgestellt und somit obligatorisch sozialversichert. Jeder Arbeitgeber muss einer AHV/IV - Kasse angeschlossen sein und Sie dort auch anmelden.

Wie wir schon festgestellt haben, ruht die Altersversorgung auf drei Säulen. Dies unterstellt, bedeutet die staatliche Versicherung ca. 1/3 Ihrer Altersversorgung. Dies trifft bis zu einem max. durchschnittlichen Jahreseinkommen von CHF 84.600 / 7.050 mtl. (Stand 2017) zu. Darüber liegende Einkommen sind auf freiwilliger Basis zu sichern. Die monatliche (einfache) Vollrente beträgt max. CHF 2.350 (bei voller Versicherungszeit nur in der Schweiz/ Stand 2017). Ehepaare, die beide in der Schweiz gearbeitet haben, erhalten maximal das 1,5-fache der einfachen Rente.


Beitragspflicht

Die Beitragspflicht beginnt für Sie mit der Aufnahme Ihrer Erwerbstätigkeit, jedoch frühestens am 1. Januar nach Vollendung des 17. Lebensjahres. Die Beitragspflicht endet in dem Monat, in welchem Frauen das 64. (ab 2020 65.) und Männer das 65. Lebensjahr erreichen, sofern jede Erwerbstätigkeit aufgegeben wird. Seit 2005 ist auch ein Rentenbezug ab 62 möglich (mit Abschlägen). Andernfalls besteht weiter Beitragspflicht. Bei Invalidität besteht die Beitragspflicht weiter, sofern in der Schweiz teilweise eine Erwerbstätigkeit ausgeübt wird. Die Beiträge werden vom Bruttoerwerbseinkommen erhoben. Als maßgebender Lohn gilt in der Regel das aus einer Tätigkeit erworbene Bar- oder Naturaleinkommen, einschließlich der Nebenbezüge, d.h. für Sie jedes Entgelt für in unselbstständiger Stellung auf bestimmte oder unbestimmte Zeit geleistete Arbeit.

Der Beitragssatz beträgt 10,25 % und wird je zur Hälfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber getragen.
Selbständigerwerbende zahlen in der Regel 9.65% Beitrag (ab CHF 56.400 Jahreseinkommen - darunter gestaffelt weniger).


Beitragsrückerstattung

Die von Ihnen und Ihrem Arbeitgeber bezahlten Beiträge an die AHV/IV werden weder an den deutschen Rentenversicherungsträger noch an Sie zurück erstattet. Sie verbleiben somit bei Ihrem schweizer Rententräger.

Nachdem Sie 12 Monate Beiträge bezahlt haben, entsteht für Sie ein Anspruch auf ordentliche AHV/IV Renten-, bzw. IV- Eingliederungsmaßnahmen.

Anspruch auf eine Vollrente der AHV/IV haben Sie, wenn Sie seit dem 20. Lebensjahr ohne Unterbrechung Beiträge bezahlt haben, anderenfalls erhalten Sie eine Teilrente (Auskunft hierüber gibt Ihnen Ihre AHV-Kasse).


Einfache Altersrente - Ehepaar-Altersrente

Eine ordentliche Altersrente können Frauen mit 64, Männer mit 65 Jahren erhalten. War der Ehepartner ebenfalls in der Schweiz beschäftigt, so wird das gemeinsame beitragspflichtige Einkommen bei der Berechnung der Ehepaar-Rente berücksichtigt. Anspruch auf eine Ehepaar-Rente besteht, wenn der Ehemann 65 Jahre und die Ehefrau 64 Jahre ist.


Witwenrenten

An Witwen unter 63 Jahren wird eine Witwenrente bezahlt, sofern sie zum Zeitpunkt der Verwitwung eines oder mehrere Kinder hat oder älter als 45 Jahre und bereits 5 Jahre verheiratet ist. Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, erhält die Witwe eine einmalige Abfindung.
Nach dem Tode ihres geschiedenen Ehemannes ist die geschiedene Frau der Witwe gleichgestellt, sofern der Mann ihr gegenüber unterhaltspflichtig war und die geschiedene Ehe mindestens 10 Jahre gedauert hatte.


Kinderrente - einfache Waisenrente - Vollwaisenrente

Für Kinder von Altersrentnern oder für Waisen besteht jeweils bis zum vollendeten 18. Lebensjahr, bzw. für Kinder in Ausbildung bis zum 25. Lebensjahr, Anspruch auf eine Rente.


Wiederaufnahme Ihrer Arbeit in Deutschland nach Ihrer Tätigkeit.

Nach der Wiederaufnahme einer versicherungspflichtigen Tätigkeit in Deutschland werden Ihnen, falls notwendig, auf die 5-jährige Wartezeit zu einem Rentenanspruch auch schweizer Beitragsjahre angerechnet. Dies allerdings nur, wenn Sie eine deutsche Versicherungszeit von mindestens 12 Monaten belegt haben und sich die schweizerischen nicht mit den deutschen Versicherungszeiten überschneiden. Die Berücksichtigung schweizer Beitragszeiten ist nur für den Anspruch einer Rente, nicht für deren Höhe, von Belang.

In der Regel wird es so sein, dass Sie später einmal bei Erfüllung der Voraussetzungen zwei Altersrenten beziehen.


Invalidenrente IV

Wichtigstes Ziel der Invalidenversicherung ist die Wiedereingliederung ins Erwerbsleben. Renten werden somit nur ausbezahlt, wenn die Wiedereingliederung nicht mehr möglich ist.

Die Höhe der Invalidenrente hängt vom vorherigen Arbeitseinkommen und vom Invaliditätsgrad ab. Die maximale Rente erhält, wer mehr als CHF 84.600,- p.a. verdient hat (Stand 2017) und zumindest 70% invalid ist. Die Rente beträgt CHF 2.350,- monatlich.

bei Invaliditätsgrad von mindestens 40%:   viertel Rente (Härtefälle vorbehalten)
bei Invaliditätsgrad von mindestens 50%:   halbe Rente
bei Invaliditätsgrad von mindestens 60%:   dreiviertel Rente
bei Invaliditätsgrad ab 70%:                         volle Rente


Rentenantragsstellung / Auskünfte

Sämtliche Anträge, auch solche für Wiedereingliederung, Umschulung usw. sind beim deutschen Rentenversicherungsträger über die zu diesem Zweck eingerichtete Verbindungsstelle bei der schweizerischen Ausgleichskasse geltend zu machen. Dort erhalten auch ausländische Staatsbürger Auskünfte.

Die Adresse lautet: 



Schweizerische Ausgleichskasse
Avenue Edmond-Vaucher 18
Case Postale 3100
CH-1211 Geneve 28


Zweite Säule: Personalvorsorge / BVG

In Ergänzung zu den Leistungen der AHV/IV sollen die Träger der beruflichen Altersversorgung (Pensionskassen u.a.) das zweite Drittel Ihrer Altersversorgung gewährleisten. Das Gesetz (BVG) schreibt ein obligatorisches Minimum vor, das Versicherungslücken schließen soll. Obligatorisch versichert sind alle Arbeitnehmer in der Schweiz, die das 17. Lebensjahr vollendet haben und bei einem Arbeitgeber einen Jahreslohn beziehen, der größer ist als die einfache, maximale AHV-Rente.

  • ab Alter 18 für die Risiken Tod und Invalidität
  • ab Alter 25 für Altersvorsorge


  • Versicherter Lohn

    Zu versichern ist der Teil des Jahreslohnes zwischen CHF 21.150 u. CHF 84.600 (Stand 2017). Dieser Teil wird versicherter oder koordinierter Lohn genannt. Beträgt der koordinierte Lohn weniger als CHF 3.525 p.a., so muss er auf diesen Betrag aufgerundet werden. Vom Jahresbruttogehalt (max. von CHF 84.600) wird ein Abzug von CHF 24.675 vorgenommen (Koordinationsabzug). Der maximal versicherte BVG-Lohn beträgt also CHF 59.925 Natürlich sind je nach Betrieb und Vorsorgeeinrichtung auch Beiträge und Leistungen, die das gesetzliche Obligatorium überschreiten, möglich (sogenannte überobligatorische Leistungen).

    Von der Versicherungspflicht sind Arbeitnehmer ausgeschlossen, die ein befristetes Arbeitsverhältnis von höchstens drei Monaten haben oder solche, die nebenberuflich tätig und hauptberuflich bereits versichert sind.


    Versicherungsleistungen

  • zusätzliche Altersrente
  • Hinterbliebenenrente
  • Invalidenrente

  • Die Altersrente wird in Prozenten des Altersguthaben (zur Zeit 6,8%) für Männer ab 65 und Frauen ab 64 Jahren berechnet. Ihr Altersguthaben besteht aus Altersgutschriften samt Zinsen und Freizügigkeitsleistungen für die Zeit, während Sie der Vorsorgeeinrichtung angehört haben. Hinterbliebene (Witwen und Waisen) haben unter gewissen Voraussetzungen Anspruch auf Witwen- bzw. Waisenrenten. Invalidenrenten werden als Voll- und Teilinvalidenrenten gewährt. Der gesetzlich vorgeschriebene Mindestzinssatz beträgt zur Zeit 1,00% (Stand 2017).

    Ihr Anteil der an die Vorsorgeeinrichtung zu zahlenden Beiträge kann je nach Personalvorsorge-Einrichtung und Unternehmen unterschiedlich sein. Pflicht-Eigenanteil zwischen 3,5 - 9 % bezogen auf den versicherten Lohn, zzgl. ca. 1% für eine Risikoversicherung je nach Alter.


    Freizügigkeitsleistung

    Bei Beendigung Ihres Arbeitsverhältnisses gewährleistet Ihnen die Freizügigkeitsregelung den Erhalt Ihres Vorsorgeschutzes nach BVG-Gesetz. Sie haben einen Anspruch, wenn Ihr Arbeitsverhältnis vor Eintritt des Versicherungsfalles gelöst wird und Sie die Vorsorge-Einrichtung verlassen. Haben Sie diese Leistungen erhalten, besteht kein Rentenanspruch mehr. Sollten später Hinterlassenen- oder Invalidenleistungen anfallen, kann die Vorsorge-Einrichtung die bereits gezahlte Freizügigkeitsleistung anrechnen. Bei einem Arbeitgeberwechsel innerhalb der Schweiz wird das Pensionskassenguthaben auf die Pensionskasse des neuen Arbeitgebers übertragen.


    Höhe der Freizügigkeitsleistung

    Die Höhe der Freizügigkeitsleistung entspricht dem von Ihnen bis zur Auszahlung bzw. Überweisung erworbenen Altersguthaben.


    Freizügigkeitsleistung, Barauszahlung, Verbleib u. Finanzierung der Personalvorsorge

    Bei Ausscheiden aus dem Schweizer Arbeitsverhältnis hat der deutsche Grenzgänger grundsätzlich drei Möglichkeiten:
  • Barauszahlung der Freizügigkeitsleistung bei Wechsel nach Deutschland (nur unter bestimmten Voraussetzungen siehe unten)
  • Übertragung auf eine neue Pensionskasse (bei Arbeitgeberwechsel; innerhalb der CH)
  • Verbleib des Guthabens bei der Pensionskasse bis zum Erreichen der Altersgrenze (wie bei AHV) und anschließende Auszahlung der Altersrente (sog.Freizügigkeitspolice / Freizügigkeitskonto).

  • Barauszahlung möglich in folgenden Fällen:
  • nach Verlassen der Schweiz wird keine versicherungspflichtige Tätigkeit ausgeübt z.B. bei Übergang in die Rente)
  • zusätzliche überobligatorische Leistungen (freiwillige Arbeitgeber leistung)
  • Verwendung zum Erwerb von Wohneigentum im Sinne der Wohn eigentumsförderung

  • Die Freizügigkeitsleistungen sind seit 2005 zu versteuern. Der zu versteuernde Anteil begann in 2005 mit 50 % des Auszahlbetrags und wird jährlich um 2 % erhöht, bis im Jahr 2030 100 % der Freizügigkeitsleistung zu versteuern sind.

    Es ist ratsam, sich am Ende der Tätigkeit genau über die verschiedenen Varianten zu informieren, um spätere Versorgungslücken bei der Rente zu vermeiden.

    Die Mitarbeiter der grenzgänger auskunft bodensee sind Ihnen dabei gerne behilflich.


    Dritte Säule: Private Altersversorgung

    Deutsche und Schweizer Versicherungsträger prüfen bei Rentenantragsstellung Ihre Ansprüche; bei Erfüllung der Voraussetzungen erhalten Sie demnach zwei Renten, wobei die deutsche Rente allein aus den deutschen und die schweizerische Rente allein aus den schweizer Versicherungszeiten und Beiträgen berechnet wird. Zur Ergänzung Ihrer Vorsorge empfehlen wir grundsätzlich eine zusätzliche private Absicherung.

    Steuerfreie Direktversicherung / 3. Säule auch für Grenzgänger!

    Seit 2007 können auch Grenzgänger die Vorteile der betrieblichen Altersversorgung durch eine Direktversicherung über den Arbeitgeber nutzen!

    So geht’s:
  • Sie schließen mit einem deutschen Versicherungspartner einen Vertrag ab, bei dem Sie die versicherte Person sind und Ihr Arbeitgeber formell der Versicherungsnehmer. Die Beiträge werden von Ihnen an den deutschen Versicherer gezahlt und sind komplett steuerfrei. Beim deutschen Finanzamt führen sie zu einer Minderung der Vorauszahlungen und damit direkt zu einer Erhöhung Ihres Nettoeinkommens.
  • Die Leistungen aus dem Vertrag stehen Ihnen allein und unwiderruflich zu, bei Rentenbeginn wahlweise als lebenslange Rente oder Kapitalzahlung.

    Ihre Vorteile:
  • steuerfreie Beiträge bis € 4.848 p.a. möglich - ca. CHF 5.284 (Kurs 1.0 EUR = 1.09 CHF)
  • Steuerersparnis bis zu € 2.360 p.a. (ca. CHF 2.572) je nach persönlichem Steuersatz.
  • unwiderrufliches Bezugsrecht auf alle Versicherungsleistungen ab Vertragsbeginn.
  • Absicherung der Familie im Todesfall.
  • ergänzend auch Absicherung für Berufsunfähigkeit möglich.
  • Hartz-IV-sicher: die durch eine Direktversicherung erworbenen Anwartschaften werden nicht auf das Arbeitslosengeld II angerechnet.
  • Recht zur Vertragsfortsetzung bei vorzeitigem Betriebsaustritt mit eigenen Beiträgen oder Fortführung durch einen neuen Arbeitgeber in der Schweiz oder in Deutschland.



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